Mit Hunden Sein

 

Mit Hunden sein

Freundschaft statt Erziehung

Zum Nachdenken



Haben Sie schon mal beobachtet, wie Reiter ihre Pferde rufen, wenn sie sie von der Weide holen? Wie Leute ihre Katze rufen? Wie Bauern ihre Hühner locken? Wie Leute Tiere anlocken? Wie sie einen fremden Hund ansprechen, wenn sie möchten, dass er zu ihnen kommt?

Ist es nicht verkehrte Welt, dass man ausgerechet seinen eigenen Hund, ein vierbeiniges Familienmitglied, den besten Freund des Menschen wie einen Soldaten, wie einen Sklaven, wie einen Gefangenen, wie einen Feind ruft?

Wie möchten Sie, dass Ihr bester Freund, Ihr Sozalpartner Sie ruft, wenn er was von Ihnen möchte? Ist Ihnen schon aufgefallen, dass wenn die Stimme fröhlich war, Sie sofort reagierten, Ihr Blick sofort erwartungsvoll in die Richtung des Rufenden ging? War die Stimme jedoch barsch, ärgerlich oder genervt, wussten Sie doch gleich, dass als Nächstes etwas Unangenehmes folgte, nicht wahr?

"Der soll gefälligst hören!" Ach tatsächlich?

Dann hören Sie sich doch das nächste mal selber zu beim Herbeirufen Ihres Hundes. Würden Sie kommen?

Seien Sie achtsam, seien Sie selbstkritisch. Man bekommt nichts geschenkt im Leben.




Wenn ich so durch die Lande ziehe, fällt mir immer wieder auf, dass die Hauptkommunikation zwischen Mensch und Hund aus einem äußerst barschen Ton, Kommandos oder Maßregelungen besteht. Und dazu kommt, dass die Hundehalter, wenn sie mit ihrem "besten Freund des Menschen" zusammen sind, meist einen ziemlich übellaunigen (in Bayern würde man sagen: grantigen) Gesichtsausdruck haben.

Seltenst hört man freundliche, warme oder liebevolle Töne, bzw. Lob.

Gingen diese Menschen so mit ihrem Partner oder ihrem besten Freund um, hätten sie mit Sicherheit in kürzester Zeit niemanden mehr.

Der Hund als Ventil für Alltagsfrust? Für das Verlangen von Perfektion und Diszipin von einem Tier mit einem IQ eines zweijährigen Kleinkindes?

Reflektieren Sie doch mal bitte, wie oft Sie innerhalb eines Tages Ihren Hund schimpfen, wie oft Sie strafen, wie oft Sie Ihre Wut und Ihren Frust am angeblichen Ungehorsam Ihres Hundes auslassen.

Wie würde Ihr Leben aussehen, wenn die Menschen die Sie lieben Ihnen rund um die Uhr sagen würden, wass Sie alles falsch machen und Ihnen nie helfen würden, Dinge zu verstehen, Ihnen nie einen richtigen Weg für Problemlösungen aufzeigen würden?




"Aber man sagt doch, der Hund soll.....", "aber es heißt doch, der Hund darf dieses und jenes nicht...", "ich habe gehört, dass man das so handhaben soll..." , "aber in der Hundeschule hat man gesagt, dass ich das nicht machen darf...".

Wer zum Teufel ist "man"? Eine höhere Instanz? Jemand der den Stein der Weisen entdeckt hat? Eine Gottheit? Die Masse? Die Allgemeinheit? Ein Allwissender?

Liebe Hundehalter, bitte seien Sie klug, und hinterfragen Sie grundsätzlich alles, was Ihnen gesagt oder geraten wird. Und vor allem, wenn es gegen Ihr Bauchgefühl ist. Wenn jemand mit "man" kommt, dann haken Sie nach. Wer ist "man"? Stellen Sie so viele Fragen, bis die Antwort für Sie wirklich schlüssig ist, bis Sie einen logisch nachzuvollziehenden Sinn ergibt. Bis die Antwort in Einklang mit Ihrem Bauchgefühl, Ihrem gesunden Menschenverstand, Ihrer Empathie und Ihrer Logik zu bringen ist. Informieren Sie sich, und blicken Sie mit wachen Augen um sich.
Lernen Sie Sie Fühlen, Spüren, Wahrnehmen.
Immer!




Ich kennen keinen einzigen Menschen, der 24 Stunden am Tag diszipliniert ist, der zu 100% berechenbar ist, der alles was man ihm befiehlt aufs Perfekteste und ohne zu hinterfragen ausführt, der keinerlei Emotionen zeigt, der weder Zeitung liest, noch Facebook benutzt, der keinerlei Interesse an anderen Menschen zeigt, der selbst im eigenen Heim perfekte Tischmanieren hat, der sich nie streitet, der nie wütend ist, der nie NEIN sagt, der nie aus der Haut fährt, der die besten Manieren zeigt, selbst in Ausnahmesituationen.

Merkwürdigerweise sind genau die Menschen, die all dies von ihrem Hund erwarten genau das Gegenteil von oben Genanntem.




Wie kommt man dazu von "vermenschlichen" zu reden bei einem Tier, welches wie ein Mensch fühlt, denkt, Schmerz und Freude empfindet, lebt, leidet und liebt? Nur weil ich dieses Wesen genauso behandle wie einen Menschen, den ich liebe?

Wir sind alle nur Säugetiere, lediglich die Bibel hat dafür gesorgt, dass wir auf die Idee kamen, uns über die Tiere erheben.



Photo: Petra Richter


Was lernt ein Hund, der an der Leine ein Problem bei Hundebegegnungen hat und dafür von seinem Menschen gemaßregelt/gestraft/angeschrien wird?

Dass Hundebegegnungen noch schrecklicher sind, als er bislang annahm. Und so werden die Hundebegegnungen für den Hund immer schlimmer werden, und der Mensch wird in Folge dessen immer mehr maßregeln/strafen/schreien.

Ist dem Hund damit geholfen?

Wenn ich einem Hund, der Angst oder ein Problem hat, keine Hilfe bin, also ihm keinen Trost und keine Unterstützung anbiete, wird er sich in Zukunft auch im Freilauf im Falle einer kritischen Situation NIEMALS an mich wenden, sondern sein eigenes Ding durchziehen. Und wir sind dann außen vor.




Wir legen soviel Energie, Emotionen, Ehrgeiz, Trainingseinheiten, Erziehung, Wut, Unmut und Frust an den Tag, damit unser Hund uns versteht.

Anstatt dass wir uns einfach mal die Mühe machen, unseren Hund, seine Welt, sein Verhalten, seine Empfindungen, sein Leben, seine Sorgen, seine Ängste, seine Denke und sein Hund sein zu verstehen.




Auslastung

Ein sonniger, warmer Wintermorgen. Ich gehe mit meinen 5 Hunden (die Pfötchenbande und meine treue Schäferhündin Bianca) über die Wiesen hinter unserem Haus Richtung Wald. Voller Freude rennen alle fünf erst mal los und lassen Dampf ab. Schnell trennen sich ihre Wege. Lucy entdeckt einen spannenden Geruch irgendwo auf der Wiese und geht zielstrebig darauf zu. Die blinde Kitty entdeckt ein Häufchen Fuchskot und nimmt ein ausgiebiges Schönheitsbad. Jessy zupft ein paar Grashälmchen, und die kleine freche Lilly trabt keck und emsig voraus. Bianca springt überglücklich um mich rum und lacht übers ganze Gesicht. Ich bummle langsam voraus, damit alle fünf Hunde Zeit haben, ihrer Beschäftigung nachzugehen, was natürlich unterschiedlich lang dauert. Es ist ihr Spaziergang. Und der dauert so lange, wie ich Zeit habe. Nicht wie weit wir in dieser Zeit kommen ist entscheidend, sondern was die Hunde in genau dieser Zeit machen. Das ist alles was zählt. Es ist ihre Zeit und ihr Spaziergang. Langsam finden alle wieder zusammen. An einer Ecke schnüffeln alle interessiert, mutmaßlich hat der Nachbarshund dort markiert. "Ich war hier", lautet seine Botschaft. Das analysieren sie mit ihren Riechzellen perfekt. Emsig markieren meine Chihuahuamädels drüber. "Wir auch, und wir gehören zusammen", lautet ihre Antwort. Bianca interessiert das nicht sonderlich. Andere Hunde bzw. deren Hinterlassenschaften sind ihr nicht wichtig.

Die kleine blinde Kitty trödelt mal wieder auf ihrer ewigen Suche nach markanten Gerüchen mit denen sie sich weiter pafümieren könnte.

Ich bleibe stehen, warte und atme tief ein. Die Luft riecht jeden Tag anders. Ich sehe mich um. Das Panorama sieht jeden Tag anders aus, je nach Wetterlage, je nach Jahreszeit. Aber jeden Tag aufs Neue und besonders. Ich muss mal meine Idee verwirklichen und jeden Tag ein Foto von der Alpenkette am Horizont machen, denn sie sieht wirklich jeden Tag anders aus. Auch die Luft riecht jeden Tag anders, aber das kann ich ja leider nicht festhalten. Aber dafür täglich live erleben. Wie meine Hunde.

Da bekommt Jessy ihre "5 Minuten". Aus dem Nichts rennt sie los und zieht in großem Kreisen so schnell sie kann um mich rum. Ich feuere sie begeistert an. Ihr Gesichtchen strahlt. Nach vier Runden kommt sie zu mir und ist zufrieden. Mit sich und der Welt. Sie schmeißt sich auf den Rücken und läßt sich das Bäuchlein streicheln. Dann gehen wir weiter.

Bianca ist voller Energie. Sie beißt in den Brustteil ihres Geschirres und beutelt es, so wie ein Raubtier seine Beute totschütteln würde, um ihr das Genick zu brechen. Dabei galoppiert sie langsam. Sie sieht aus wie ein Lippizaner aus der spanischen Hofreitschule. Sie schaut mich an, wirft sich auf den Rücken und blinzelt in die Sonne, läßt das Geschirrteil aus dem Maul fallen und verharrt. Ich soll sie streicheln. So gehe ich zu ihr in die Hocke, streichle liebevoll ihr Gesicht, ihren Kopf, ihren Bauch. Sie bewegt sich keinen Millimeter und genießt. Die vier andern Mädels bleiben in unserer Nähe und gehen ihren eigenen Beschäftigungen nach. Nur die kleine Lilly rückt näher zu Biancas Kopf, berührt deren Nase kurz mit ihrer und sucht dann meinen Blickkontakt. "Ich hätte auch nichts gegen eine kurze Streicheleinheit", sagt sie mir damit. Daher kraule ich sie auch. Meine Beine schlafen langsam ein, so stehe ich wieder auf und gehe weiter. Schlagartig ist Bianca wieder auf den Beinen und strahlt mich glücklich an. Immer wieder bekommt sie einen kleinen "Rennflash", sprintet ein paar Meter voraus und schmeißt sich auf den Rücken, um sich dann genußvoll im kühlen Gras zu wälzen.

Jetzt hat sie an einer Stelle einen Geruch entdeckt, der sie scheinbar sehr interessiert. Eine Wildspur? Eine Katze? Ich bummle gemütlich weiter, so dass alle die Möglichkeit haben, wieder zu mir zu kommen, wenn sie mit ihren Tätigkeiten fertig sind. Wir haben nicht vor eine bestimmte Kilometeranzahl pro Spaziergang zurückzulegen. Wir sind einfach nur zusammen, draußen an der frischen Luft und sammeln und erleben Eindrücke.

Ein paar Krähen lassen sich in einiger Entfernung nieder. Begeistert kläffend sprintet die kleine freche Lilly los, was die anderen als Aufforderung sehen, genauso enthusiastisch mitzurennen. Die Krähen nehmen das äußerst gelassen und erheben sich erst in letzter Sekunde träge ein paar Meter, was meine Hunde mehr oder minder enttäuscht zur Kenntnis nehmen. Im Prinzip haben sie es ja geahnt, aber den Spaß war es wert.

Oh, hier diese Wiese wurde wohl unlängst mit Stallmist gedüngt. Da gibt es viel zu tun für meine vierbeinigen Freundinnen. Geruch, Geschmack und Konsistenz müssen aufs Genauste geprüft werden. Das kann dauern, also verringere ich mein Bummeltempo noch mehr. Um meine Figur zu halten, dafür sind meine Hundespaziergänge nicht gedacht. Das mache ich dann abends beim Joggen bzw. im Fitnessstudio in meinen Zumba-Stunden. Das ist dann meine Zeit. Jetzt ist aber Hundezeit – ihr Spaziergang, ihre Auslastung, die Zeit, in der sie ihre Sinne nach ihrem Gutdünken einsetzen können.

Es dauert ein wenig, dann finden sich alle nach und nach wieder bei mir ein. Wir nähern uns dem Wald, aber Lucy läuft mir eine Spur zu zielstrebig in Richtung eines Gebüsches. Jetzt ist einer der seltenen Momente, wo ich sie wirklich gezielt rufen muss, denn das kommt mir spanisch vor. Als sie ihren Namen so fröhlich von mir hört, hält sie inne und entschließt sich für meine Richtung. Ich lobe sie ausgiebig und bedanke mich bei ihr. Aha, ein paar Tempotaschentücher liegen da im Gebüsch. Den Rest an Erklärung spare ich mir an dieser Stelle, um Sie, lieber Leser, zu verschonen. Der unwiderstehlichen Duft, der davon ausgeht, hat nun auch die Nase meiner übrigen Chihuahuas erreicht. Auch sie biegen eindeutig in die Richtung ab. Immer der Nase nach. Etwas "panischer" rufe ich auch sie, aber immer bemüht, das Ganze lustig und gut gelaunt zu gestalten. 14.000 Jahre Domestizierung haben es nun mal möglich gemacht, dass Hunde Fäkalien als Nahrung annehmen und auch annehmen können. Dadurch, dass wir Menschen uns so mannigfaltig ernähren führt es nun mal dazu, dass unsere Fäkalien für Hunde besonders gut duften und leider auch schmecken. Ist so. Hunde fressen alles und können auch fast alles verwerten. Daher der abfällige Name "Köter". Köter kommt von Kotfresser.

Alle entscheiden sich für meine Richtung, und auch sie bekommen von mir einen ausgiebigen Text, wie toll sie sind und wie großartig ich sie finde. Das sagt ich ihnen im Prinzip ständig. Ich liebe sie so sehr, und es ist mir einfach ein Bedürfnis, es ihnen zu sagen. Geht mir mit meinem Mann übriges genauso ;-) Der freut sich dann auch :-)

Nun sind wir im Wald. Da gibt es für die Kleinen nicht viel Spannendes, da es hier keine Gerüche von Kollegen gibt und wenig Anreize. So spazieren sie im Autopilotmodus im Gänsemarsch hinter mir her. Ganz anders Bianca. Ihr Jagdtrieb erwacht, und ich muss gut aufpassen, wenn sie was in die Nase bekommt oder etwas erspäht. Sobald ich Gefahr wittere, nenne ich freundlich ihren Namen, sie dreht sich neugierig zu mir um, ist dadurch abgelenkt, bekommt ein Lob von mir, und wir gehen weiter.

Oh, höre ich da einen Motor? Richtig, ein Traktor bahnt sich den Weg durch die schmalen Waldwege, das wird eng werden. Ich renne ein paar Meter los, weil ich weiß, dass dort eine kleine Schneise ist, in die wir uns reinflüchten können. Meine fünf vierbeinigen Freundinnen sausen ohne zu hinterfragen mit, denn wenn Frauchen so zielstrebig lossaust, dann hat das definitiv einen triftigen Grund. Die wird schon wissen was sie tut, also nichts wie hinterher! Rückwärts gehe ich in die Schneise, meine Hunde reihen sich im Halbkreis um mich herum und schauen mir erwartungsvoll in die Augen, Ich atme ganz entspannt aus, bewege mich aber keinen Millimeter, und die fünf machen es mir nach. Ich nicke dem Waldarbeiter in seinem Gefährt freundlich zu, er lächelt. Sicher ein ungewöhnlicher Anblick für ihn. Als er weg ist, krame ich aus meiner Gürteltasche fünf Leckerlis raus und gebe sie den Mädels. Gut gemacht, Ihr Lieben! Danke, dass ich mich immer wieder auf Euch verlassen kann!

Ein Jogger kommt uns entgegen. Für die kleine freche Lilly ein Riesenspaß. Jogger und Fahrradfahrer jagen ist für sie das Höchste! Sie kläfft sich schon mal warm. Ich gehe rückwärts an den Wegrand und flüstere:"Mädels?" in genau der Tonlage, die leicht fragend ist. Fünf Augenpaare blicken erwartungsvoll zu mir, und wieder reihen sie sich um mich. "Feiiin!" flüstere ich ausatmend, und bis ich meine fünf Leckerlis umständlich rausgekramt habe, ist der Jogger über alle Berge und somit uninteressant geworden.

Wir gehen den Rundweg zurück zu unserem Haus, und es gibt ununterbrochen unglaublich viel zu sehen, zu riechen, zu fühlen, zu schmecken, zu hören, wahrzunehmen.

Immer wieder legt Bianca ihren Kopf schief und schaut mit gespitzten Ohren auf den Boden. Mit ihrem guten Gehör nimmt sie jede Maus wahr, die da unter dem Gras spaziert. Ein Sprung....schade, nichts war's. Das gleiche Szenario wiederholte sich noch mehrmals... und jetzt hat sie eine erwischt! "Toll, Bianca!" rufe ich ihr zu. Genüßlich schnurpselt sie an ihrer Beute herum und trabt dann glücklich zu mir, der Mauseschwanz hängt noch aus ihrem Maul.

An einer Bank setze ich mich nieder. Weil es so schön ist. Lucy springt hoch, sie will auf meinen Schoß, Bianca buddelt sich schnell hinter der Bank eine kleine Kuhle, in die sich sich reinkuschelt, um sich die Sonne auf ihren Pelz strahlen zu lassen, die blinde Kitty setzt sich an eine warme Stelle, Jessy stromert rum, Lilly schimpft in eine Richtung, um sicher zu gehen, dass kein Bösewicht sich uns nähert. Man weiß ja nie, denkt sie. Prophylaktisch den Säbelzahntiger vertreiben.

Wir gehen weiter, und Bianca nimmt sich einen Tannenzapfen, rennt los, wirft ihn hoch, fängt ihn wieder auf, rennt weiter, lässt ihn wieder fallen, rennt zurück, holt ihn wieder, rennt wieder los, und das Ganze wiederholt sich drei mal. Dann ist er schon uninteressant geworden.

Hui, jetzt hat Lilly ein gebrauchtes Papiertaschentuch gefunden. Wie Bianca mit dem Tannenzapfen schnappt sie es sich, rennt los, lässt es fallen, reißt einen Fetzen davon ab, rennt weiter, läßt diesen wieder fallen und so weiter, bis von dem Fundstück nichts mehr übrig bleibt. Eklig, aber so sind Hunde nun mal.

Wir machen uns langsam auf den Heimweg. Zu Hause bekommt jede eine Karotte, und alle fallen müde aber glücklich in ihre Bettchen und machen ausgiebig Siesta.

Wir waren eineinhalb Stunden im Oma-Bummeltempo unterwegs. Ich habe keine Bällchen geworfen, keine Stöckchen geworfen, kein Spielzeug gehabt, keine Leckerlis ins Gras zum Suchen geworfen, habe meine Hunde über keine Baumstämme springen oder balancieren lassen, sie zu nichts animiert. Keine Kommandos verwendet (sie können und kennen auch kein einziges), keine Gehorsamsübungen machen lassen (können und kennen sie auch nicht), keine Kunststücken machen lassen (kennen und können sie auch nicht), nichts trainiert (was denn auch?), sie nicht "arbeiten" lassen (in der Tierwelt gibt es kein Geld).

Wir waren einfach nur draußen. Und glücklich. Wie jeden Tag.


In diesem Sinne – Eva




Hilfe, mein Hund bellt!

    Völlig normales Hundeverhalten: Das ist seine Sprache.


Hilfe, mein Hund schnüffelt und markiert!

    Völlig normales Hundeverhalten: Das ist seine Kommunikation, sein Facebook.


Hilfe, mein Hund schlingt!

    Völlig normales Hundeverhalten: Hunde schlucken im Ganzen und müssen nicht das Essen zermahlen.


Hilfe, mein Hund will draußen immer vorne gehen!

    Völlig normales Hundeverhalten: Der Hund hat draußen mit Ihnen Spaß und will was erleben.


Hilfe, mein Hund frisst Fäkalien!

    Völlig normales Hundeverhalten: Eine Folge der Entwicklung vom Fleischfresser Wolf

    zum Allesfresser Hund. Daher die Bezeichnung Köter. Köter kommt von Kotfresser.


Hilfe, mein Hund rammelt!

    Völlig normales Hundeverhalten: Das dient zum Einen dem Stressabbau, aber vor

    allem macht es Spaß. Uns übrigens auch.


Hilfe, mein Hund wälzt sich in übelriechenden Dingen!

    Völlig normales Hundeverhalten: Das ist sein Parfum.


Hilfe, mein Hund klaut Essen, wenn ich den Raum verlasse!

    Völlig normales Hundeverhalten: Unbewachte Ressourcen gelten für Hunde in ihrer

    Welt als freigegeben.


Es sind in der Regel die hundetypischsten Verhaltesweisen, die uns an unserem Hund abstoßen, die uns nicht gefallen, die wir an unserem Hund nicht mögen, nicht wollen, nicht akzeptieren.


Warum dann ausgerechnet ein Hund? Wäre nicht ein anderes Haustier geeigneter?




Sind Sie perfekt?

Nein, mutmaßlich nicht. Das ist niemand von uns, auch unsere Hunde nicht.

Aber haben Sie schon mal etwas Dummes, etwas Unvernünftiges, etwas Falsches (so bezeichnet es unsere Gesellschaft) gemacht, am Ende gar gegen das Gesetz verstoßen (und sei es nur ein kleiner Schwindel bei der Steuererklärung). Haben Sie dafür Ärger bekommen?

Bestimmt.

Ist es nicht wunderbar, wenn in solchen Situationen der eigene (Ehe-)Partner oder beste Freund hinter einem steht, einem beisteht?

Lieber Leser, bitte schlagen Sie sich immer auf die Seite Ihres Hundes. Er ist Ihr Freund und nicht Ihr Gegner. Seien Sie MIT ihn und nicht GEGEN ihn. Er hat niemanden sonst auf der Welt, nur Sie. Er ist zu 100% von Ihnen abhängig. Statt ihn für ein von uns deklariertes "Fehlverhalten" zu strafen oder zu rügen, zeigen Sie ihm doch lieber, welches Alternativverhalten Sie von ihm möchten.

Seien Sie immer auf seiner Seite. Er hat nur Sie.




Bei sich bleiben.

Warum schafften es die Kursteilnehmer, ihren Leckerlibeutel vor den Augen ihrer Hunde auszuleeren, ohne dass der Hund die Leckerlis klaut?

In der klassischen Hundeerziehung bringt man dem Hund durch ein NEIN! bei, dass er dieses und jenes nicht darf. Er soll in der Grundausbildung Frustration lernen. Warum?

Warum sollte ein Hund in meiner Gegenwart durch mich verursachte Frustration lernen?

In der aversiven, also straforientierten Hundeerziehung wird der Hund dafür bedroht, erschreckt, angezischt, körperlich bestraft.

Ist das wirklich nötig?

Wenn ich lerne, bei mir zu bleiben, dann wird der Hund das Interesse an meinen Ressourcen verlieren und nicht darum kämpfen, und im Gegenzug müssen wir nicht um unsere Ressourcen kämpfen, weil wir es wert sind, dass man uns unsere Ressourcen läßt.




Wenn Ihr Hund laut ist und schreit – schreien Sie nicht mit, sondern werden Sie umso leiser


Wenn Ihr Hund an der Leine reißt – reißen Sie nicht zurück, sondern bleiben Sie weich und bei sich


Wenn Ihr Hund aggressiv ist – begeben Sie sich nicht mit auf sein Niveau, sondern werden Sie weicher, liebevoller und umso freundlicher


Wenn Ihr Hund ängstlich oder unsicher ist – lassen Sie ihn nicht im Stich, sondern stehen Sie ihm in seiner Not bei – er hat nur Sie


Wenn Ihr Hund weint, jault oder winselt – unterstellen Sie ihm nicht, er sei ein Schauspieler, sondern trösten Sie ihn


Wenn Ihr Hund droht – drohen Sie nicht zurück, sondern ändern Sie die Situation. Für ihn.


Seien Sie klug, Seien Sie weise. Wollen Sie wirklich die Probleme Ihres Hund spiegeln und ihn somit darin bestätigen? Oder wollen Sie wie ein kluger und weiser Sozialpartner handeln und ein großartiges Vorbild sein, an dem sich Ihr vierbeiniger bester Freund orientieren kann? Er hat nur Sie.




Eine liegt – alle liegen.

Warum in vielen Wesen die Fähigkeit zum Nachahmen vorhanden ist.

Kennen Sie das: Sie sitzen im Büro und gähnen, und sofort gähnt mindestens einer Ihrer Kollegen mit. Ist er ausgerechnet in der gleichen Minute müde geworden?

Oder das: Sie sitzen im klassischen Konzert, und zwischen zwei Stücken fängt ein Zuschauer das Hüsteln an, und sofort hüstelt der halbe Zuschauerraum mit. Sind tatsächlich alle Zuschauer erkältet?

Oder das: Eine Kuh legt sich hin und fängt das Wiederkäuen an - alle Kühe legen sich hin und käuen wieder.

Unser Gemeinschaftssinn lässt uns und auch die Tiere diese Handlungen unbewußt nachmachen. Kinder ahmen ihre Eltern nach. Tierkinder imitieren die Handlungen ihrer Eltertiere. SO lernen sie. Lernen durch Nachahmen. Die leichteste Art zu lernen. Eine unbewußte Art zu lernen.

Falls Sie einen Dialekt beherrschen, werden Sie ihn unbewußt ausgeprägter sprechen, wenn Ihr Gegenüber ihn ebenfalls benutzt. Und weniger, wenn Ihr Gesprächspartner gepflegtes Hochdeutsch spricht.

Sozialverhalten. Den Gemeinschaftssinn fördern.

Nun sieht man auf dem Foto mich (oder zumindest meine Beine) in meiner Mittagspause (wenn ich mal eine habe) in meinem Mittagspausenzimmer in unserem Haus. Ich sitze auf meiner Couch, habe mein Essen neben mir, den Fernseher angeschaltet und schaue einen entspannenden Film. Und meine fünf Hunde liegen auf bzw. neben mir.

Habe ich sie aufgefordert hochzuspringen und ins PLATZ! und ins BLEIB! zu gehen? Wohl kaum. Denn abgesehen davon, dass keiner meiner fünf Hunde ein Kommando kennt (habe ich all die Jahre bei keinem meiner vielen Tiere gebraucht), würde wohl kaum ein Hundehalter beim täglichen Fernsehen auf der Couch seinem Hund das Kommando zu einer andressierten Körperposition geben. Zumal fast jeder Hund zu Hause irgendwo herumliegt und schläft. Denn Hunde brauchen 18 - 20 Stunden Schlaf, und den nutzen sie, wann immer es möglich ist. Also ist dieses Foto eigentlich nichts Besonderes.

Wenn ich aber dieses Gefühl dieser Situation innerlich abspeichere und nach außen transportiere, dann erlebe ich eine wunderbares Phänomen: Meine Hunde ahmen mich nach. Und zwar immer - egal wie stressig es gerade ist. Weil wir eine Gemeinschaft sind. Weil wir zusammen gehören.

Und deshalb sitzen oder liegen meine Hunde immer dann, wenn ich es schaffe, innlich loszulassen und zu entspannen. Jeder Hundehalter kann das lernen. Und genau deswegen brauche ich keine Kommandos, habe aber auf den Punkt entspannte Hunde. Weil sie mich nachahmen.

Und das ist ein wichtiges Prinzip meiner Kurse, meines Unterrichtes, dessen was ich lehre.




Das Thema Flüchtlinge ist seit Jahren in aller Munde. Menschen, die in größter Not sind, finden in Deutschland einen Ort der Zuflucht. Hier finden sie Schutz, hier droht ihnen kein Krieg, keine Folter, keine Verfolgung, keine Todesstrafe. Das Asylrecht ist in der Verfassung festgelegt. Diese Menschen aus fernen Ländern sind gewiss anders als wir, die wir in Deutschland leben. Es befremdet uns. Aber ist Deutschland, ist der Deutsche an sich ein Maßstab für Perfektion? Ein Mensch aus einem Kriegsgebiet ist auch ein Mensch und ist für seine Maßstäbe ein perfekter Mensch. Wir urteilen über diese Menschen und erwarten, dass sie genauso wie wir sind. Dass sie sich so kleiden wie wir, dass sie sich so verhalten wie wir, dass sie sprechen wie wir, dass sie die gleichen Moralvorstellungen haben wie wir, dass sie die gleiche Religion und Tradition pflegen wie wir. Sind wir das Mass aller Dinge? Warum? Sind Deutsche die Krone der Schöpfung? Der perfekte Homo Sapiens?

Und dann kommt ein Hund zu uns ins Haus. Ein Hund, den wir uns freiwillig holen. Ein Hund, den wir zu uns holen, weil wir Hunde lieben.

Aber auch seine Andersartigkeit dulden wir nicht. Wir wollen, dass sich dieser Hund verhält wie wir, denkt wie wir, die gleiche Sprache spricht wie wir, die gleichen Moralvorstellungen hat wie wir, die gleiche Hygienevorstellung hat wie wir, ein Rechts- und Unrechtsbewußtsein hat wie wir, die gleiche Erziehung erhält wie wir, die gleichen Wertvorstellungen hat wie wir und und und. Die Liste könnte endlos fortgeführt werden.

Ein Hund ist ein perfektes Wesen. Genauso wie ein Schnecke, ein Kamel, ein Löwe, eine Ameise. Nur wir erwarten scheinbar, dass sich unser Hund wie ein "guter Deutscher" verhält.

Ist das friedliche Zusammenleben zweier unterschiedlicher Spezies wirklich so schwierig?




Hunde bellen. Das ist ihre Sprache und bedeutet so gut wie alles.

Wie unser menschliches Geplapper.

Wenn eine Katze miauend heim kommt, finden wir es niedlich.

Wenn uns unser Pferd entgegend wiehert, sind wir verzückt.
Singen Vögel, sind wir glücklich.
Krötenquaken oder Grillenzirpen sagt uns: Es ist Sommer und Urlaubsstimmung macht sich breit.
Wenn Kühe muhen, merken wir, dass wir auf dem Land sind. Oft machen wir es scherzend nach.
Bellt hingegen unser Hund, werden wir wütend, und das arme Viech kriegt eins auf die Mütze.

Ist es nicht merkwürdig, dass das Gebell eines Hundes das einzige tierische Geräusch ist, auf welches wir mit Aggression reagieren?

Wenn ein Hund bellt, ist er in der Regel erregt. Das kann eine positive Erregung sein, aber auch eine negative Erregung.

Eine positive Erregung wäre beispielsweise, wenn er als Spielaufforderung bellt, bzw. während des Spieles. Oder er bellt, weil er raus muss oder weil er sich aufs Essen freut (da wird es mit unserer Toleranz schon kritisch - er hat sich nicht zu freuen).

Negative Erregung wäre, wenn er meldet. Das ist sein Job, den er seit 15.000 Jahren macht. Eine deutliche Ansage an uns: "He, da kommt wer! Mach das weg, Frauchen!" Oder bei Hundebegegnung. Auch da wird gebellt. "Geh weg!" heißt das, "bleib mir vom Leib!" Bei jeder Form von Streß, Wut, Angst, Unsicherheit. "Hilfe! Hört mich jemand?" rufen einsame Hunde aus Wohnungen oder Gärten, die stundenlang auf ihren Menschen warten müssen.

Wie würde es Ihnen gehen, wenn Ihr einziger Sozialpartner Sie dafür maßregeln würden, wenn Sie eine negative Erregung verbalisieren würden? Was erwarten Sie von Ihrem Sozialpartner in einer solchen Situation?

Richtig: Beistand. Verständnis. Hilfe.

Was sonst?

Und genauso geht es unseren Hunden. Sie haben nur uns. Nur wir können sie aus so einer Situation emotional herausholen. Aber bitte nicht mit Strafe und Maßregelung.

Sondern mit Verständnis, beruhigendem Zuspruch, Ruhe, Empathie und Sicherheit.

Natürlich ist das der unbequemere Weg, denn man muss Geduld und Einfühlungsvermögen haben. Etwas, was den Menschen in dieser schnelllebigen Zeit leider oft abhanden gekommen ist.

Daher: Ihr Hund ist Ihr bester Freund – Werden Sie der Seine!

In jeder Situation.

Durch dick und dünn.




"Der muss doch endlich kapiert haben, dass er das nicht darf!"

Nein, muss er nicht, und kann er nicht.

Unsere dem Hund auferlegten Gesetze, Regeln und Grenzen mögen für uns ganz praktisch sein. Aber die Erwartungshaltung, dass Fiffi Herrchens selbstgebasteltes herrisches Gesetzbuch incl. der 10 Gebote mit seinem IQ eines zweijährigen Kindes auswendig kann und logisch nachvollziehen kann, ist absurd. Ein Hund lebt in einer völlig anderen Welt mit völlig anderen Regeln und Gesetzen.
Das wäre eine üble Form der Vermenschlichung von einem Tier zu erwarten, diese unsere westliche Welt zu verstehen. Wir sind zwei unterscheidliche Spezies. Was uns verbindet ist die Liebe zueinander, wobei die Liebe seitens des Hundes zu uns wohl die unsrige zu ihm um einiges übersteigt.

Wenn wir aufhören zu erwarten, dass der Hund unsere Regeln, Grenzen und Gesetze sich gebetsmühlenartig eintrichtert, dann schaltet sich beim Nichtbefolgen unsere Wut, unsere Enttäuschung und unser Frust auf ihn komplett zurück.

Und so kann ich ihm situativ völlig ohne Streß zeigen, was ich gerne von ihm hätte. Und zwar freundlich, klar und repektvoll.Das was wir doch immer von unseren Hunden erwarten, stimmts?

Meine 5 Mädels kennen kein einziges Kommando. Ich habe sie noch nie geschimpft, gestraft, ja nicht mal die Stimme ihnen gegenüber erhoben. Genausowenig meine Pferde. Und dennoch wirken sie auf andere Menschen als freundliche und wohlerzogene Wesen.

Wenn ich sie fröhlich rufe, so wie ich einen geliebten Menschen rufe, dann kommen sie. Wenn ich leise und freundlich ihren Namen sage (darauf bekomme ich einen neugierigen, erwartungsvollen Blickkontakt, den ich sofort liebevoll verbal bestätige), dann brechen sie jede Situation ab. Für mich. Weil sie es so wollen und nicht weil sie es müssen.

In diesem Sinne - seien Sie freundlich und üben Sie sich in Selbstdisziplin, anstatt die Hunde zu disziplinieren.




Liebe Frau Windisch,

nochmals vielen Dank für unser tolles Telefonat am vergangenen Dienstag (falls Sie sich erinnern, ich war die mit dem kleinen Terrier, der nichts vom Boden aufheben „soll“)

Ich möchte Ihnen gerne mit einem „Leserbrief“ meine absolute Begeisterung mitteilen!

Ganz im Sinne Ihrer Philosophie habe ich begonnen, diese – auch wenn wir uns noch nicht kennenlernen konnten – anhand Ihres Niedergeschriebenen einfach mal zu testen und anzuwenden.

Mir sind so viele Lichter aufgegangen, seit ich auf Sie und Ihr Konzept aufmerksam geworden bin. Ich hinterfrage tatsächlich, was das wahre vermenschlichen ist? Ist es den Hund seinen hündischen Bedürfnissen nachgehen zu lassen? Ihn schnuffeln, juckeln, in Ruhe fressen und in Ruhe schlafen zu lassen? Vermenschlicht man ihn, nur weil man ihn nicht aus so einer Situation im wahrsten Sinne des Wortes „herausreißt“ und seine Allmacht als „Rudelführer“ demonstriert? Oder ist das wahre vermenschlichen den Hund mit sitz, platz, aus, pfui, nein zu drillen? Mit menschlicher Sprache und Begriffen, die er nur anhand von Aktion und Reaktion kennen und verstehen lernt? Ich kann Ihnen sagen: Ich möchte das nicht mehr!

Ich habe immer gesagt: mein Hund ist ein gleichwertiges Familienmitglied, er lebt mit uns in einer liebevollen Gemeinschaft – aber kann ich wirklich sagen, dass es so war? Konnte ich das wirklich so leben?

In meiner Selbstreflektion erkenne ich, dass ich zu keinem Menschen in meinem engeren Umfeld im täglichen Miteinander sitz, platz, aus, geh, nein, gib, lass das sage bzw. ständig maßregele usw.. Dort akzeptiere ich jeden wie er ist.

Und ja, ich dachte auch immer, ich akzeptiere meinen Hund wie er ist, aber das tat ich nicht, und das tut mir rückblickend sehr leid für ihn und sehr leid für unsere schon gemeinsam verbrachten Tage. Ich liebe meinen Hund von ganzem Herzen, war niemals grob oder angsteinflößend, aber ich denke es gibt so viele kleine Differenzen zwischen uns, weil jeder sich ein Stück weit „verstellt“.

Seit ich begonnen habe, ihn nun wirklich zu akzeptieren wie er ist, dass er eben gerne mal „sagenhafte“ 40 Sekunden (welch ein Drama J) schnuffelt, seine 5 Minuten hat oder in die Leine beißt. Nichts von all dem ist von langer Dauer und er genießt es diese kleinen Bedürfnisse auszuleben.

Das in die Leine beißen hat mir eine Zeit lang wirklich den letzten Nerv geraubt. Heute lasse ich es bewusst zu (räusper* ich übe noch J) und dann zerrt er 2 Minuten daran rum und dann wird es sowieso uninteressant. Oder er trägt die Leine stolz wie Oskar nach Hause J Ich kann mir nicht erklären, wo da zuweilen mein Problem lag.

Meine Selbsterkenntnis: OHNE Druck und Befehle, Maßregelung, Auflagen und all dies, gibt es keinerlei Spannungen mehr in mir selbst und das überträgt sich auch auf Chico! Hat er etwas vom Boden aufgehoben, und ich war nicht schnell genug, dann habe ich mich furchtbar geärgert und bin nach Hause gestampft wie eine Zweijährige die ihren Lolli verloren hat J Oft sieht man ja schon von Weitem, dass da z.B. ein Hähnchengerippe liegt. Ganz in seinem Sinne, habe ich ihn gestern zum ersten Mal zu einem kostenlosen Buffet gelassen. Es tat nicht weh, es war nicht schlimm, es war einfach mein Hund, der einen Knochen gefunden hat und ihn zum ersten Mal behalten durfte.

Das traurige daran ist nicht, dass andere vielleicht denken, mein Hund ist nicht erzogen und hebt alles von der Straße auf, das traurige ist WIE mein Hund den Knochen gekaut hat. Er hatte wirklich damit gerechnet, dass es ruckartig weitergeht und er das Ding verliert. Allein, wenn ich seine Augen gesehen habe, dann weiß ich, dass ich etwas an mir und meinem Umgang in solchen Situationen ändern muss.

Dank Ihrer Philosophie, Frau Windisch, weiß ich nun, dass es auch anders geht, das es mit wirklichem Verständnis für das natürliche Wesen des Hundes geht, ohne dem Gedanken im Nacken, der Hund tanzt einem auf der Nase herum.

Es ist sicher am Anfang nicht leicht, die alten Gewohnheiten und das Erlernte von meiner Hundetrainerin ausschleichen zu lassen, aber ich tue es mit der Konsequenz mit der ich es auch gelernt habe.

Die Welt braucht definitiv mehr Hundetrainer wie Sie! Jedem dem ich davon erzähle, der rümpft erstmal die Nase und sagt, das geht nicht. Ein Hund BRAUCHT Regeln und eine klare Führung, der WILL eine Aufgabe, den kannst du nicht einfach machen lassen, wie er denkt.

Ich kann Ihnen sagen, ich habe vom einen auf den anderen Tag die Kommandos abgeschafft – und ich, die immer überzeugt davon war, dass ich nichts mehr BRAUCHE als diese – wie man es eben in den Hundeschulen lernt, wurde eines Besseren belehrt. Ich bin wirklich begeistert. Ich gestehe, ich hatte Bedenken, dass sich etwas ändert er Anfängt mich nicht mehr ernst zu nehmen – ganz im Gegenteil! Ich habe das Gefühl, er fühlt sich endlich verstanden.

Ich lasse meinen Hund auf den Gassirunden so lange schnuppern und erkunden wie er es braucht. Und auch hier ist das Resultat der Wahnsinn! Er ist dadurch so ausgeglichen, läuft sogar neben mir, anstatt immer vornewegzuziehen. Ich habe quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er zieht nicht mehr an der Leine und er ist total ausgeglichen und Entspannt, sogar bei Hundebegegnungen. Ich habe nun den Eindruck, dass Ziehen resultiert daraus, dass er durch das ständige weggezerre und weitergeschiebe einfach Angst hat etwas zu verpassen und daher so agiert hat.

Ich bin weniger auf Hektik auf unseren Runden, sondern genieße es, wenn er eine Eichel kaut, oder ein Taschentuch zerpflückt oder ganz gebannt ein Eichhörnchen beobachtet, dann setze ich mich daneben und wir schauen zusammen. Wir sind quasi beide binnen einer Woche so viel entspannter geworden. Hier ist mir eins ganz klar aufgefallen: ich dachte immer, wenn ich ihn jetzt hier den Tannzapfen kauen lasse, dann komme ich eine Stunde nicht vom Fleck. Was für ein Quatsch!!! 2 Minuten ist dies interessant und dann riecht es schon wieder ganz anders in irgendeiner Ecke. Also warum ihm dieses kurze Vergnügen nicht gönnen?

Die neugewonnene Gelassenheit ist für uns beide toll. Ich habe gemerkt, ich muss mir nicht jeden Tag nach unserer Runde noch ein Suchspiel einfallen lassen, weil ich denke, ihm könnte das Gassi nicht ausgereicht haben, denn er BRAUCHT ja noch etwas für den Kopf, damit er richtig schön ausgelastet ist und ihm nicht langweilig ist. Wir kommen heim, und dann legt er sich zu mir. Manchmal habe ich das tatsächlich als Langeweile interpretiert, aber nicht, weil es unbedingt mein Empfinden war, sondern weil man es an jeder Ecke liest und hört und man in diesem ganzen „Du musst, und dein Hund muss“-Wirrwarr einfach ertrinkt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns irgendwann persönlich kennenlernen können und gemeinsam mit Chico eine Stunde verbringen können. Falls sie mal im Raum Frankfurt sind, dann halte ich die Augen und Ohren offen.

Bis dahin schicke ich Ihnen herzliche Grüße und wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche